Fühlen. Riechen. Berühren. Schmecken: Achtsam essen braucht Zeit und Muse - beides vom Aussterben bedrohte Tugenden unserer Zeit. Die Anthroposophin Felicitas 'DUKKAH Handwerk' hat ihre eigene Meinung über Achtsamkeit beim Zubereiten und Genuss des Essens. Hier erzählt sie, wie weit wir davon entfernt sind, achtsam zu essen und gibt uns ein Rezept an die Hand, das uns Magen und Herz im Herbst erwärmt und uns zum Innehalten und Genießen einlädt.

 

Was bedeutet achtsame Ernährung? Wie finden wir zurück zu einem achtsamen Essensritual? Wir suchen Antworten für ein langes und gesundes Leben auf Kontinenten, die so weit weg sind, dass sie nicht annähernd auf unser Leben in diesem Land übertragbar sind. Die Einen sagen dann “mediterrane Ernährung ist der Schlüssel”. Die Anderen sagen “Buddhismus praktizieren und vegan leben”. Wie wir es drehen und wenden: Nicht jede Lebensweise und Ernährung lässt sich auf uns so einfach übertragen. Schauen wir uns also einmal an, wie wir wiederentdecken können, achtsam zu essen und uns mit Achtsamkeit ernähren.

 

Achtsam essen, nicht nur das Loch im Bauch nicht stopfen

In der Regel wird wenig bis fast kein Wert auf Zubereitung, in Ruhe miteinander Speisen zelebrieren und in der Familie beisammensein. Die Verpflegung findet größtenteils in Kantinen, Büros, Kaffees, Bistros oder auf der Hand im Gehen statt. Wir stopfen eigentlich doch nur noch das “Loch” im Bauch, um möglichst gleich wieder weiter zu funktionieren.

 

Wir können Erdbeeren im Winter und Mangos rund ums Jahr bekommen, essen Fertigprodukte und Tiere, die viel Leid beinhalten, trinken Energy-Drinks, die aus Chemie bestehen. Wir wollen Alles! Jetzt! Sofort! Weil wir gerade Lust darauf haben. Oder weil wir es uns gönnen können. Was zum achtsamen Essen fehlt, ist die Verbundenheit. Der Weitblick. Die Reflektion über das eigene Verhalten. Und meine Erkenntnis darüber, dass JEDE Konsumtat, eine Politische ist. Ich denke, das IMMER jemand den Preis bezahlt. Wenn ich den nicht bezahlen will, dann wird die Firma XY es günstiger machen. Sie wird jemanden anderen bezahlen lassen bzw. einsparen lassen, was wir nicht bereit sind zu zahlen. Entweder die Landwirte, die dann ihre Kinder arbeiten lassen auf Zuckerrohrplantagen für billige Limo oder es zahlen die Tiere dafür.

 

"Was zum achtsamen Essen fehlt, ist die Verbundenheit. Der Weitblick."

 

Wenn wir nicht hinsehen, was wir tun, entsteht ein Kreislauf mit viel Leid. Das ist auf Dauer nicht nur für die Umwelt ungesund, sondern auch und vor allem für uns selbst. Um uns mit unserem Essen wieder verbunden zu fühlen, dürften wir die Mahlzeiten nicht mehr nebenbei im Multitasking-Autopilot-Modus einnehmen. Wir müssen entschleunigen, um achtsam zu essen, uns jedes Schrittes und aller Beteiligten bei der Entstehung dieses Essens bewusst werden.

 

Das Geheimnis der bis ins Alter glücklichen Menschen

Ich wuchs mit dem Satz “Du bist was Du isst”, auf. Er begegnete mir immer wieder. Im Abitur war er sogar Thema im Fach Kunst. Später schrieb ich über die antroposophische Ernährungslehre meine Bachelorthesis. Auch hier begleitete mich dieser Satz. Ich fragte mich, wie viel unsere Ernährung mit der Gesundheit im Alter zu tun hat. Was also machen die Menschen anders, die scheinbar glücklich, gesund bis ins höchste Alter sind? Nun, meine Beobachtung sagt, sie leben “abgeschirmt” von Rest der Welt. Sie konsumieren keine angeblichen Superfoods, die einmal um den Globus geflogen sind.

 

Sie konsumieren eigentlich kaum. Denn sie leben meist sehr minimalistisch und von dem, was es vor Ort gibt. Meist selbst gesammelt oder gepflanzt und unbehabdelt und frei von Pestiziden. Auch ihre Tierhaltung ist in der Regel keine Massentierhaltung. Sondern die eine Kuh, die täglich die Sonne sieht und viel vom kostbaren VitD3 und B12 entwickeln konnte.

 

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Eine sorgsame Auswahl der Lebensmittel gehört zum achtsamen Essen   © Foto Felicitas

 

 

Für uns bedeutet das, hinzusehen, ob die Grundbedingungen für ein achtsames Essen gegeben sind:

  • Was führe ich mir zu?
  • Ist Leid mit dem verbunden, was ich konsumiere?
  • Behalte ich das große Ganze im Blick?
  • Verursache ich Leid und bezahle dafür?

Je nachdem, welche Antworten dir in den Sinn kommen: Wenn Leid und Elend mit Essen verbunden sind, denke ich, dass wir diese Abwärtsspirale dringend und schnell durchbrechen müssen.

 

 

Was du also tun kannst, um dich un deinen Körper mit Achtsameit bei den Mahlzeiten zu beschenken:

 

1. Spüre hin und schau was die Erde uns schenkt.

Es gibt so viel Superfood in deiner Nähe. Sieh hin. Kostenlos. Es verbindet dich mit der Erde, dem Leben an sich, die Geschenke unserer Mutter Erde zu entdecken.

Wolf Dieter Storl sagt das in etwa so: “Die Erde möchte ausgleichen, sie schenkt uns immer genau das, was uns gerade fehlt.”

Und es ist genau so. Wir haben nur vergessen, was hier eigentlich alles wächst. Tomaten sind es ursprünglich jedenfalls nicht. Sie kommen aus Regionen, die viel wärmer sind als unsere. Dieses Gemüse beispielsweise wirkt kühlend auf unseren Organismus und wir leben hier in einem viel kühleren Land. Auch Olivenöl und Auberginen sind kühlend wirkend auf uns. Unser Körper braucht also einen höheren Ennergieaufwand um diese Kühlung auszugleichen und das bedeutet zusätzlich Stress für unseren Organsmus.
 

 

"Die Erde möchte ausgleichen, sie schenkt uns immer genau das, was uns gerade fehlt" Wolf Dieter Storl

 

2. Schau, was hier wächst und angebaut wurde.

Es sind Nussöle, Nüsse, Sonnenblumenkerne und Öl, Leinsamen und Leinöl... Dinkel und Grünkern,  Bucheckern, Maronen und Walnüsse.

Wir haben wärmende Lebensmittel hier vor Ort. Nicht ohne Grund. Wir haben andere Temperaturen, andere Böden und viel weniger Wildniss. In unseren Wäldern wuchsen Beeren und viele Pilze. Wir haben sie nur vergessen und teilweise aussterben lassen. Nehmen wir als Beispiel den Breitblattwegerich. Er wächst hier vor Ort und ist ein vergessen Schatz. Ein hervorragendes Kraut, dass gerne als Unkraut abgetan wird. Lässt man ihn blühen, kann man im Spätsommer die Samen ernten und trocknen. Diese schmecken leicht nussig und können genau wie Chiasamen verwendet werden. Kostenlos. Sie sind mineralhaltig und genau auf uns abgestimmt, dank Mutter Erde. Die Blätter können zu Pesto oder in der Pfanne mit Knoblauch und Salz angeschwenkt werden, wie Spinat.
 

 

3. Spüre in der Zeit zurück

Es gibt unzähliges wieder zu entdecken!

Mach dich auf die Reise.

Schau wie nah das Glück ist.

Fühle die Verbundenheit.

Sie ist da. Immer.

Lass es zu.

Nimm dir Zeit um dir Gutes zu noch Besserem zuzubereiten.

Und wenn es draußen so richtig kalt und ungemütlich ist, lädt dich diese Kürbissuppe ein, sie und mit Genuss zuzubereit und achtsam zu essen:

 

Kürbisrezept achtsam essen.png

 

Als besondere Zugabe mit Brennesselsamen garnieren. Blüten und Kräuter können selber gesammelt werden oder man bekommt sie im Bioladen/Reformhaus. Die Kürbissuppe duftet herrlich und enthält die ganze Sommerkraft, die es an kalten grauen Tagen braucht. Lass es dir schmecken!

 

Eine ruhige Umgebung für ein achtsames Essen

Doch bevor du dich zu Tisch setzt, denk daran: Genauso wichtig wie die Zubereitung mit Ruhe und Muse, ist das Zu-Sich-nehmen der Mahlzeit in einer ruhigen Umgebung. Schau, wie du dieses feine Süppchen achtsam essen kannst. Ist eine Kerze angezündet? Sitzen liebe Menschen mit am Tisch? Ist es ruhig und gemütlich? Welche Farben umgeben dich? Leg frisch gesammelte Blätter auf den Tisch, einen Kürbis kannst du dazu legen, daneben eine Kerze anzünden. Egal ob es taghell ist. Reich deinem Gegenüber die Hand und wünsche ihm/ihr eine gesegnete Mahlzeit, sagt kurz Danke zu Mutter Erde, für ihre Gaben. Und lass dich wärmen von ihrer Kraft!

 

Titelbild: Felicitas

 

Geschrieben von Felicitas

https://www.happiness.com/de/uploads/monthly_2019_10/776118733_FelicitasDUKKAH.jpg.de7a51163784c4d2398fe1dc7483dd4e.jpgFelicitas ist Puppenmacherin, Handarbeitslehrerin für die Waldorfschule, Köchin und (alleinerziehende) Mama. Auf Instagram inspiriert sie mit ihren Rezepten, Hacks und Tricks für den Alltag und zeigt Konsum-Alternativen als #resteverwertungsfluencer.

 

 

 

 

 


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