George Floyd wurde am 25.05.2020 ermordet. Wir haben am 02. Juni 2020 ein schwarzes Quadrat auf dem deutschen happiness Instagram Account geposted. Seither ist Stille auf dem Kanal. Das hat nicht nur mit dem Thema Rassismus zu tun, sondern auch mit Personalien, aber die Reaktivierung soll nicht passieren ohne eine erste Bilanz gezogen zu haben.

Um zu erklären wie happiness.com sich an die eigene Nase fasst und wieso das erstmal garnicht so sichtbar ist, muss ich auf die Größe und Struktur des Projekts eingehen.

Erstmal ist das Hauptprojekt die englische Seite und die deutsche Seite wird weniger intensiv betreut, was einfach an mangelnden Ressourcen liegt. Sprich wir haben nicht genug Geld für Mitarbeiter und Marketing, schon gar nicht in zwei Sprachen. Die Kollegen anderer "Projekte für gute Zwecke" deren super Idee sich nicht um Monetarisierung drehen, werden das Problem kennen. So sind wir in dem Spannungsfeld "was auf deutsch machen oder sich auf eine Sache konzentrieren" halbherzig gefangen gewesen. Wir hoffen das jetzt ändern zu können, denn es fühlte sich vernünftig an aber nicht richtig.

          >>Wer sich jetzt angesprochen fühlt und mithelfen will dem Projekt auch in Deutschland Leben auszuhauchen, der meldet sich bitte bei mir. Es gibt bestimmt viele Möglichkeiten wie wir uns gegenseitig unterstützen können.<<

Veronika macht ihr Ding! :-)Bis vor einigen Monaten war die großartige Veronika von quercustexte.de in Teilzeit als Selbstständige für die deutsche Seite und unsere deutschsprachigen Social Media Kanäle (Twitter, Instagram) zuständig. Sie hat sich erst mal zurückgezogen, um ihre Work-Life-Balance mal wieder in Richtung Life auszubalancieren. Lest hierzu ihren schönen Instagram Post zum Thema “Working Mom” der mich daran erinnert hat, dass das alte “mein Haus, mein Pferd, mein Boot” heute gerne durch ein “meine veganen Müsliriegel, meine nachhaltige Geschäftigkeit, mein Stress” ersetzt wird. “Einfach” mal nichts tun und die Batterie zu laden ist immer noch nicht wirklich cool. Wir arbeiten aber dran.

Danach gab es eine Pause und jetzt übernehme ich: Tine. Ich bin von Anfang an bei happiness.com dabei, gelernte Medien Ingenieurin, zudem MBSR und Meditationslehrerin. Zuvor hatte ich mich auf die englische Seite und Projekt Management Aufgaben konzentriert, aber die deutsche Seite ist mir mehr und mehr zur Herzensache geraten. Also lasst es uns probieren, auch wenn ich keinen journalistischen Hintergrund habe. ❤️

 

Jetzt mal konkret zu unserem aktuellen happiness Team

 

5 Leute aus 4 Ländern: Deutschland, UK, Südafrika, Schweden, 2 Frauen, 2 Männer, 1x non-binary, eine Person ist schwarz, die anderen weiß, 4 sind hetero. Zusammen haben wir ca 125 Stunden in der Woche für das Projekt happiness.com zur Verfügung. Dass bei uns zu Empathie Mitgefühl kommt, Akzeptanz und Toleranz dazugehören, muss ich wohl nicht weiter betonen. Dass das Ringen darum nicht immer einfach ist, vielleicht schon.

Das Thema Rassismus kam auf den Tisch, ganz offiziell in unserem Team Meeting am 03.07. Es liegt da jetzt offen rum und wird regelmäßig thematisiert. Darin liegt der eigentliche interne Skandal, denn wir hatten uns bisher davor bewusst oder unbewusst gedrückt. Ich habe unser gut gemischtes Team umrissen und einen offenen, überzeugten Klischeerassisten hatten wir in unseren Reihen wirklich nicht vermutet. Wie auch bei den Themen Homophobie und Sexismus lauert beim Alltagsrassismus der Teufel im Detail und um dieses Details zu finden, wollen wir ganz genau hinschauen und dazu müssen wir wissen was wir suchen.

Ja, das Thematisieren war mir unangenehm. Ja, es wurden Fehler gemacht, Fehler eingestanden und es wurde viel dazu gelernt. Und es wird weiter dazu gelernt. Spannend ist hier das Zusammenspiel aus “lernen etwas anzusprechen”, “Grenzen zu setzen”, “Bedürfnisse und Erwartungen zu thematisieren”, “Verletzt sein und auch Scham einzugestehen” und “lernen zuzuhören und Kritik anzunehmen”. Hier besser zu werden – in allen verschiedenen Rollen, sind Fähigkeiten die uns in allen Lebensbereichen zu Super*wo*men machen.

Das Thema hat sich durch die ganze Firma und die anderen Projekte weiterverbreitet und es kam zu offenen und auch zu kontroversen Diskussionen und Entscheidungen, bei der meine persönliche Meinung und die offizielle Firmenausrichtung nicht so ganz passen wollen. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle hinzufügen, dass es sich beim hier Geschriebenen so erst mal um meine Meinung handelt so sehr ich versuche der deutschen happiness.com Seite eine "neutrale" Stimme zu geben. Das ist auch ein interessantes Spannungsfeld, schwer, aber nicht unmöglich zu navigieren. Wer sich für Tine Steiss außerhalb der happiness.com Mitarbeiter Persona interessiert - Authentizität und so - dem wird hier geholfen: HerrBerta.art - art & activism.

Worauf der letzte Absatz wohl auch hinaus will ist, dass Anti-Rassismus keine Arbeit der Organisation ist. Die Organisation kann sie unterstützen, anstoßen oder behindern, aber letztlich muss jeder Einzelne den langen, anstrengenden und notwendigen Weg gehen, die Mechanismen der White Supremacy, des strukturellen Rassismus - auch in sich selbst - zu erkennen und dort zu bekämpfen. Daher ist dieser Artikel und wie sich happiness.com Deutschland nach dem schwarzen Quadrat verändert hat, eben auch ganz eng mit mir der hauptsächlichen Stimme hinter der deutschen Seite und meiner persönlichen Entwicklung verknüpft.

HerrBerta bei der BLM Demo in Hamburg.png

 

Was hat sich nach dem schwarzen Quadrat konkret getan?

 

Im englischen Forum haben wir einen Bereich in dem wir Ressourcen und Erfahrungen posten, die uns selbst bereits geholfen haben. Also keine “hätte, müsste, sollte” Liste sondern, handson was wir - das happiness.com Team - getan haben.

Wir bieten wöchentlich einen offenen Arbeitskreis mit dem Buch “Me and white Supremacy” an. Meldet euch dazu gerne auf der englischen Seite an. Wir sind jetzt halb durch das Buch durch und es ist eine harte Nuss. Es gibt so unendlich viel zu lernen uns so viele schmerzhafte Momente in denen einem als Weisse*r die Augen geöffnet werden und dann das Herz den Schmerz ertragen muss. Wir lassen uns Zeit das zu verdauen und alleine diese Möglichkeit zeigt schon unser Privileg, denn wer von Rassismus betroffen ist, kann sich die Tage an denen Rassismus ein Thema ist nicht auswählen. Das heißt jetzt nicht, dass wir dieses Privileg nicht nutzen dürfen, um das Thema in emotional verarbeitbaren Abschnitte aufzuteilen. Es heißt aber auch, dass wir das so schonend Verarbeitete erst recht nutzen müssen, um uns aktiv gegen Rassismus zu stellen!

Wir haben von Anfang an in unseren Bildern, Icons und Platzhaltern versucht nicht unsere aktuelle Community abzubilden, sondern die offene, inklusive, weltumspannende Gesellschaft die wir uns wünschen und auf die wir hinarbeiten. Wir wollen, dass jeder der auf die Seite kommt auch sich repräsentiert sieht und jeder der sich sowieso immer repräsentiert sieht auch alle anderen sieht, die sonst so leicht vergessen werden. Die Awareness war von Anfang an da und trotzdem gibt es immer noch dazuzulernen, vieles besser zu machen. Uns unsere Augen, Ohren und Herzen sich heute umso offener.

Wir hatten zuvor schon aktiv nach BIPOC Lehrer*innen für unsere Akademie gesucht, wie auch nach BIPOC Author*innen für unsere Magazin und das haben wir noch verstärkt. Wir waren uns unserer Filterbubble bewusst und wir haben über den Tellerrand geschaut und sind so dankbar für das bewusste hervorheben mehr diverser Stimmen, denn das macht uns den Job schlicht leichter. Wieviele schwarze spirituelle Lehrer kannst du aus dem Kopf nennen? Anfang des Jahren kam ich auf einen... Heute sieht die Sache anders aus. Zu Mooji kamen z.B. Rachel Rickets, Light Watkins, Lama Rod Owens. Von Menschen wie Brandon Kyle Goodman, Layla F. Saad oder Ibram X. Kendi ganz zu schweigen, auch wenn sie jetzt nicht direkt in die "spirituelle Lehrer" Niesche fallen, gibt es von ihnen mehr als genug zu lernen

Ihr seht die “großen Gesten” sind spärlich. Es wurde jetzt nicht groß das Logo geändert oder sonst was. Wir sind letztlich ja auch happiness.com und Gerechtigkeit, Dazulernen, Solidarität und Unterstützung ist nun auch mal unsere Mission. Das “sich an die eigenen Nase fassen” für jeden einzelnen von uns ist und bleibt ein Thema. Jetzt wo wir das Thema auf dem Tisch haben und auch gezeigt wurde, dass es möglich ist das alles im Team zu besprechen, gibt es bei uns eine höhere Sensibilität, die sich stetig weiter entwickelt. Sensibilität und gleichzeitig auch Mut. Mut was anzusprechen, Mut zu sagen, wenn was nicht passt, Mut Fragen zu stellen und den Mut für die Antworten offen zu sein und den Mut Fehler zu machen.

 

          >>Da stetig den Horizont erweitern so essenziell ist, freue ich mich auf Hinweise zu Ressourcen, Persönlichkeiten, Projekten!<<

 

 

Engagiert Euch!

 

Zum Abschluss noch ein ganz persönliche vielleicht kontroverse Einschätzung, aber ich haue es mal raus: Es ist eigentlich egal in welches Thema ihr, wir, ich uns hinein bohren. Es gibt gerade so viel Dringendes, dass man den Eindruck gewinnen kann, es sei sowieso nicht alles zu schaffen. Rassismus, Klimakatastrophe, Sexismus, soziale Ungerechtigkeit, moderne Sklaverei, Massentierhaltung, Müll, und und und... Mein Tipp: sucht euch das aus was euch am meisten berührt. Das heißt nicht, dass euch die anderen Themen egal sind, oder dass sie unwichtig wären. Es heißt nur, dass das euer Startthema ist und ihr euch da anfangt. Je tiefer es ging, desto mehr lernte ich über die Zusammenhänge. Und Rassismus z.B. lässt sich nicht aus der Welt schaffen ohne alle anderen Themen direkt und indirekt mitzubearbeiten. Werdet euch eurer Privilegien bewusst, denn nur wenn ihr in vollem Bewusstsein dieser seid könnt ihr sie auch in den Dienst der Sache stellen und sie nutzen, um sie sich selbst abschaffen zu lassen. Kein Thema ist wichtiger als das andere, alle sind zusammen wichtig. Kaum einer steht nur auf der Sonnenseite. Nutzt eure negativen Erfahrungen, um den Erfahrungen andere gegenüber offen zu sein. So können wir auch bei Erfahrungen die uns unbekannt sind zumindest ahnen was unserem Gegenüber jetzt am meisten nützt. Setzt euch mit aller Kraft für euer Thema ein und seid solidarisch mit allen anderen Themen und Aktivisten.

 

[Wir haben externe Links im Text - kann man Werbung nennen - es wurde für keinen Link bezahlt, daher nenne ich es Information]

 

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Unsere Mission: Eine sichere und sich gegenseitig unterstützende Gemeinschaft zu ermöglichen, in der Werkzeuge, Praktiken und Erfahrungen ausgetauscht werden, die es jedem ermöglichen, ein glückliches und erfülltes Leben zu führen.
Konkret heißt das für dich, dass du als Mitglied der happiness Gemeinschaft kostenlose folgende Vorteile genießt:

Du kannst dem Auf- und Ab des Lebens nicht entkommen, aber du kannst lernen bewusster damit umzugehen, es anzunehmen und dadurch innere Freiheit zu erlangen.

Werde heute noch Teil der liebevollen Gemeinschaft offenherziger Menschen und melde dich jetzt an. 

 

Geschrieben von Tine Steiss

tine.jpgTine ist Teil des happiness.com Teams. Sie ist Künstlerin, Medieningenieurin, MBSR und Meditationslehrerin. Wenn sie nicht an neuen Ideen tüftelt, verwandelt sie ihre Dachterrasse in einen paradiesischen Garten. Erfahre mehr über Tine auf: Instagram.

 

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