Auf der Suche nach Selbsthilfe und persönlicher Weiterentwicklung sind Bücher oft hilfreich. Arlo Laibowitz zeigt uns mit seinen Top 3 Filmen und Dokumentationen aber, dass Filme zum Thema Glück auch eine gute Alternative sind!

 

Auf unserer Suche nach Glück und Zufriedenheit lesen wir Selbsthilfebücher und -studien, nehmen die Vorteile von Meditation und Yoga wahr und versuchen verschiedene Arten von Glückspraktiken umzusetzen. Manchmal ist es aber auch schön, es sich gemütlich zu machen und einen inspirierenden Film oder eine Dokumentation anzuschauen.

Mit den hier aufgeführten Dokumentationen wirst du zwei Fliegen mit einer Klappen schlagen. Zum einen geht es um das Thema Glück, zum anderen wirst du dazu angeregt, mehr zum Thema zu recherchieren und neue oder andere Wege zu erkunden, über Glück nachzudenken und es zu praktizieren.

 

1) Happy [2011]

 

Worum geht es?

Die Prämisse von Happy ist, dass jeder glücklicher werden kann. Der Film zeigt Ausschnitte aus dem Leben von Menschen an verschiedenen Orten der Welt und wie sie glücklich sind. Ein Rikscha-Fahrer in Kolkata ist glücklich darüber, wie ihn seine Hütte vor den Elementen schützt und wie seine Kinder ihn nach der Arbeit zuhause begrüßen. Eine Amerikanerin wurde in Folge eines Unfalls entstellt, fand jedoch die Kraft um weiterzumachen und findet schließlich einen Sinn als Heilerin.

Andernorts findet ein brasilianischer Surfer sein Glück durch das tägliche Surfen auf den Wellen und wenn er dies mit seinem Sohn teilt. Eine Dänin fand ihr Glück nach einer Scheidung wieder, als sie in eine der vielen Lebensgemeinschaften des Landes zog. 

 

 

Und dann gibt es da die Menschen in Bhutan, die das Wohlergehen ihres Landes anhand ihres globalen Glücksindexes definieren. Oder Buschmänner in Namibia, die immer noch wie Jäger und Sammler leben und darin Zufriedenheit finden. Und auch die Menschen im Dorf Ogimi auf der Insel Okinawa in Japan, die ihre Freude daraus ziehen, das Land zu bearbeiten, Gemeinschaft zu leben und wiederkehrende soziale Ereignisse zu feiern.


Diese vielfältigen Beispiele für individuelle und gemeinschaftliche Weisen ein glückliches Leben zu führen werden mit Interviewausschnitten und Archivmaterial verschiedener Expertengruppen vermischt. Menschen wie Ed Diener, Daniel Gilbert, Sonja Lyubomirsky, Mihaly Csiskzentmihalyi, Matthieu Ricard und Nic Marks erklären verschiedene Themen rund ums Glück.

Zu den behandelten Themen gehören der Zusammenhang zwischen Glück und Wohlstand, wie viel von unserem Glücksniveau wir eigenständig verändern können und die Rollen des Glückshormons Dopamin und von Sport. Außerdem geht es um die Rolle sozialer Bindungen und Beziehungen und wie sich unser Glück steigert, indem wir uns mit etwas Größerem verbinden.

 

Warum anschauen?

Diese Dokumentation ist eine großartige Einführung in viele verschiedene Themen, die mit Glück zusammenhängen. Daher kann dies ein hervorragender Film sein, um einen Überblick darüber zu erhalten, wie man es am besten angeht, wenn man auf der Suchen nach mehr Glück und Zufriedenheit ist. 

Der Film schafft die richtige Balance zwischen den einzelnen Geschichten der dargestellten Personen und den allgemeinen Informationen, die in den Interviews diskutiert werden. Es gibt interessante und bewegende Momente im Film, vor allem durch Nähe zu den dargestellten Personen. Diese bringen einen dazu, über Themen nachzudenken, die etwas mit Glück zu tun haben, und die man bisher als selbstverständlich betrachtet oder über die man noch gar nicht nachgedacht hat.

 

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Der Dokumentarfilm ist angenehm anzuschauen, mit Momenten starker Kinematografie und einem großartigen Erzählrhythmus, der nicht langweilig wird. Außerdem hellt er die Stimmung auf, was immer gut ist.

 

Und außerdem?

Da gibt es noch so viel mehr. Der Okinawa-Abschnitt des Films nimmt Bezug auf das interessante Konzept des Ikigai.

Die Interview Szenen mit Sonja Lyubomirski knüpfen an ihr Buch The How of Happiness und die dort beschriebenen wundervollen 12 Strategien zur Steigerung der Glücklichkeit an.

Außerdem werden Forschungen von Daniel Gilbert gezeigt, wie sein Buch Ins Glück stolpern. Du kannst dich mit den vorteilhaften Auswirkungen von Freiwilligenarbeit auf dein Glücksempfinden außeinandersetzen, wie sie von Menschen wie Borgonovi erforscht werden. Und die meisten der befragten Experten haben großartige TED-Talks, in denen (teileweise) ihre Forschungsergebnisse und Gedanken zum Thema Glück erläutert werden.

 

 

 

2. The Happy Film [2016]

 

Worum geht es?

Eine eher skeptische und zynische (aber auch spielerische) Herangehensweise an das Glück kann man in The Happy Film finden. Der weltbekannte österreichische Designer Stefan Sagmeister versucht, seine Persönlichkeit neu zu gestalten, um eine glücklichere und bessere Person zu werden.

Der Film ist in drei Teile unterteilt, von denen jeder ein einmonatiges Experiment ist. In den drei Teilen geht es um Meditation, Psychotherapie und schließlich verschreibungspflichtige Medikamententherapie, all dies um das Glück zu steigern. Während seines Meditations-Retreats im schönen Bali klagt Sagmeister darüber, Rückenschmerzen zu haben und daher die Meditation nicht vollständig erleben zu können. Aber er verliebt sich in einen ehemaligen Studenten, den er auf der Insel trifft, und das macht ihn vorübergehend glücklicher. Die Beziehung ist jedoch bald wieder vorbei, und Sagmeister wird wieder traurig. 

 

Während der Therapiesitzungen wird er mit seiner Unfähigkeit konfrontiert, sich festzulegen, wobei er sich zeitgleich mit dem Ende einer elfjährigen Beziehung auseinandersetzen muss. Er lässt eine alte Liebe in seiner Heimatstadt in Österreich wieder aufleben, aber auch diese Beziehung endet bald.

Im dritten Teil, in dem er sich mit verschreibungspflichtigen Medikamenten therapieren lässt, geht Sagmeisters Glücksgefühl durch die Decke. Er verkündet: „Ich liebe Pharma“. Obwohl er von einem weiteren Therapeuten überwacht wird, der ihn davor warnt, große Entscheidungen zu treffen, verliebt er sich wieder und verlobt sich sogar mit einem viel jüngeren Mädchen. Sie erlaubt ihm, den Aufstieg und Fall ihrer Beziehung mit zu verfilmen, bis er am Ende des Films wieder allein und nicht glücklicher ist.

Alle Teile des Films sind mit wunderschön gefilmten "Werbespots" im Sagmeister-Stil verwoben, in denen schriftliche Botschaften in natürlichen Umgebungen dargestellt werden. In diesen werden Themen wie mitfühlende oder leidenschaftliche Liebe hervorgehoben, ein Tagebuch führen, flexibler sein und die Dinge tun, die wir uns vorgenommen haben. Man sieht auch die Ausstellung The Happy Show, die Sagmeister zum Thema Glück geschaffen hat.

 

Warum anschauen?

Der Happy Film ist die am stärksten in erzählender Form gefilmte Dokumentation unter den drei hier beschriebenen. Der Film ist in erster Linie eine augenzwinkernde Geschichte der Selbstfindung, bei der der Zuschauer einen Einblick in die Wege der Glücksfindung mitnehmen kann. Die für den Film designten Werbesport bilden eine interessante Gesamtstruktur und bieten Momente zum nachsinnen.

Alles in allem ist die Dokumentation als filmisches Erlebnis wahrscheinlich die "beste" der dreien. Der Film ist weder eine Anleitung um Glück zu finden, noch bewirbt er die unterschiedlichen Methoden wie Meditation, Therapie oder Psychopharmaka. Die Dokumentation lädt uns jedoch zum Mitfühlen ein und dazu, unser eigenes Leben zu reflektieren. Sie bietet in ihrer Konstruktion eine interessante Vielschichtigkeit, in der der Begriff des Glücks erforscht und in den mehr von Kunst gelenkten Teilen als „Handelsware“ verkauft wird. Sie lässt den Zuschauer die Glücksbranche in Frage stellen und die bisweilen erfolglosen Versuche bei dem Streben nach Glück.

 

Und außerdem?

 

Die Experimente mit Psychotherapie und verschreibungspflichtigen Medikamenten zeigen interessante Verbindungen auf zu wissenschaftlichen Arbeiten über die Wirksamkeit dieser Methoden. Besonders wenn deine Suche nach Glück aus der Position eines Krankheitsfalls heraus beginnt, sind dies interessante Themen, mit denen du dich näher beschäftigen kannst. Sagmeister hielt auch einen TED-Talk über Glück. 

In diesem Vortrag stellt er eine interessante „Skala des Glücks“ vor: Von Komfort über Zufriedenheit, Freude und Vergnügen bis hin zur Glückseligkeit. Und er spricht über den Unterschied zwischen der Visualisierung und Darstellung des Glücks und Glück an sich. Alles Ideen, die zum Nachdenken anregen und weiterer Erforschung wert sind. 

 

 

3. I Am [2010]

Der Regisseur von I Am war auch für die Produktion von Happy verantwortlich. Regisseur Tom Shadyac war zuvor für Hollywood-Filme wie Bruce Allmächtig, Ace Ventura und Der verrückte Professor bekannt. Aber nach einem Unfall, der ihn an den Rand des Todes brachte, richtete er sein Leben neu aus und gab all seinen Reichtum auf. Dies ist der Ausgangspunkt seiner Dokumentation.

Shadyac macht sich auf die Suche und stellt zwei Fragen: Was läuft falsch in der Welt? Und wie können wir das beheben? Bei dem Versuch, diese beiden Fragen zu beantworten, kommt er mit vielen Fragen in Berührung, die auch in der Glücksforschung gestellt werden. 

Der größte Teil des Films besteht aus Interviews mit Vordenkern, Philosophen und Forschern über den Sinn des Lebens und die Frage, was Glück ausmacht. Unter den interviewten Personen sind Noam Chomsky, Daniel Quinn, Desmond Tutu, Howard Zinn, Elisabet Sahtouris und Coleman Barks.

 

 

„Shadyac macht sich auf die Suche und stellt zwei Fragen: Was läuft falsch in der Welt? Und wie können wir das beheben?“


Themen wie der Darwinismus, die westliche Gesellschaft mit ihrer Armut an Verbindung und ihrer Einsamkeit, die Rolle der Wirtschaft und die Frage nach der menschlichen Tendenz zum Krieg werden diskutiert. Schließlich fragt der Film, wie wir ein liebevolleres, mitfühlenderes und erfüllenderes Leben führen können, in einer Welt, in der wir grundsätzlich alle miteinander und mit dem Planeten insgesamt verbunden sind.

 

 

Warum anschauen?

Die Botschaft und die Geschichte von I Am bringen einen enormen Wohlfühleffekt. Die Teile, in denen der Film, unterstützt von den interviewten Wissenschaftlern, die Vernetzung aller und alles untersucht, sind sehr interessant. Der Film ist sogar eine Befreiung in einer Diskussion, die normalerweise mit pseudowissenschaftlichen New Age Begriffen angeführt wird, zwischen Menschen, die der Idee von „Gaia“ folgen und solchen, die dies kritisieren.


Darüber hinaus ist es sehr inspirierend, all diese großartigen Denker - fast ein "Wer ist wer?" von Wissenschaftlern die an der Glücksforschung mitarbeiten - in einem Film zusammen zu haben. Die ultimative Botschaft des Films ist Mitgefühl, Freundlichkeit und Liebe - "Menschen sind fest auf Kooperation und Mitgefühl eingestellt" - klingt vielleicht kitschig, macht es aber nicht weniger wahr.

 

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Der Dokumentarfilm gibt dir Anlass darüber nachzudenken, wie du dein Umfeld, dich selbst und deine Überzeugungen und Haltungen gegenüber anderen verbessern kannst, um glücklicher zu werden. Obwohl es im Film Sequenzen gibt, bei denen die Kombination von Musik und Bildern von Natur und Tierwelt etwas übertrieben wirkt, ist er insgesamt sehr sehenswert und unterhaltsam.

 

Und außerdem?

I Am steckt voller inspirierender Zitate wie: „Als Darwin die Abstammung des Menschen schrieb, erwähnte er zweimal das Überleben des Stärksten und das Wort Liebe 95 Mal.“ [Marc Ian Barasch].

 

 

„Der Dokumentarfilm gibt dir Anlass darüber nachzudenken, wie du dein Umfeld, dich selbst und deine Überzeugungen und Haltungen gegenüber anderen verbessern kannst, um glücklicher zu werden.“

 

Dass Dacher Keltner im Film vorkommt, kann als Motivation gesehen werden, um die Glücksforschung zu erforschen, die er und andere im Greater Good Science Center betreiben. Dabei lohnt es sich, einen Blick auf den exzellenten kostenlosen edX-Kurs "Wissenschaft des Glücks" zu werfen, den er mit lehrt.

An anderer Stelle sind Elisabet Sahtouris Forschungen und Ideen zur Evolutionsbiologie und zum Futurismus sehr inspirierend. Und Daniel Quinns fantastisches Buch Ishmael, das die Mythen im Herzen der modernen Zivilisation untersucht und eine nachhaltigere, gesündere und glücklichere Alternative vorschlägt, ist es mehr als Wert genauer unter die Lupe genommen zu werden.

 

Bonus! 24 Stunden Video Happy von Pharell Williams [2013]

 

Worum geht es?

Genau genommen keine Dokumentation, aber ein interessantes Projekt. Es ist ein 24-Stunden-Videoclip für das Lied Happy von Pharrell Williams. Viele aneinander gereihte Videos zeigen in ihrer Summe einen ganzen Tag, an dem Leute ohne Unterbrechung den Text dieses ansteckenden Liedes nachsingen und dazu fröhlich durch verschiedene Teile von Los Angeles tanzen.

Bei jedem Video handelt es sich um eine sorgfältige Inszenierung langer Steadicam Aufnahmen. Szenen, in denen Menschen tanzen und singen werden mit langen Sequenzen von Menschen, die mit Autos oder Motorrädern durch die Stadt fahren oder über Straßen laufen verwoben. Die Personen, die in diesen Videos die Hauptrolle spielen, sind keine Models oder Stars (obwohl einige Schauspieler und Prominente als Cameos vorkommen), sondern Menschen aller Altersgruppen, Ethnien und Typen.

Insgesamt bilden sie einen schönen Querschnitt durch die amerikanische Gesellschaft und machen aus diesem Werbegag eine Reflexion über die Menschheit und die Freude am Singen und Tanzen.

 

 

Warum anschauen?

Sofern du keine Abneigung gegen Williams Lied hast, ist es fast unmöglich, sich nicht von den fröhlichen Menschen und der großartigen Botschaft gemeinsamer Menschlichkeit anstecken zu lassen, die von all diesen verschiedenen Menschen, die sich im Tanzen ausdrücken, geteilt wird. An einem bestimmten Punkt im Video bietet sich sogar die Gelegenheit aufzustehen und selbst ein bisschen zu tanzen!

 

Und außerdem?

Und genau das ist, warum es sich lohnt an dieser Stelle weiterzuforschen. Es gibt vermehrt Forschungen, die den Effekt von Musik auf unser Glücksempfinden betonen. Für diejenigen von uns, die vielleicht wie Sagmeister bloß Rückenschmerzen vom Meditieren bekommen, kann von Zeit zu Zeit ein wenig tanzen unser Wohlbefinden und Glück steigern! ●

 

 

 

Geschrieben von Arlo Laibowitz

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Arlo ist Filmemacher, Künstler, Dozent und zeitweiliger Praktiker von Metta-Meditation und Morgenyoga. Wenn er nicht von unmöglichen Projekten träumt und diese auf möglichst unpraktische Weise möglich macht, schreibt er Journals, hört Jazz oder kuschelt mit seiner besseren Hälfte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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