Als Erwachsener neue Freunde finden mit diesen sechs Tipps von Ed Gould.

Freundschaften sind ein wichtiger Faktor für unser Glück und Wohlbefinden. Unsere Leben ändert sich und manchmal bleiben dadurch unsere bisherigen Freundschaften z.B. durch einen Umzug auf der Strecke. Wie Freundschaften unsere Leben beeinflussen und wie wir neue Freunde finden und erhalten können:

Der Artikel erschien im Original im englischen happiness Magazin. 

Die Natur von Freundschaften ändert sich im Laufe der Zeit. Als Kind in der Schule lernst du, Freunde und Freundinnen zu finden. Auch wenn dies wahrscheinlich keine dauerhaften Freundschaften werden, lernst du doch mit deinen Mitschüler*innen auszukommen. Ich habe das Glück, immer noch Freunde aus meiner Vorschulzeit zu haben, aber ich denke, das ist ziemlich ungewöhnlich.

Tatsächlich schließen viele Menschen ihre langlebigsten Freundschaften im Teenageralter. In dieser Zeit fängt man an, kritischer darüber zu sein, was man aus der Beziehung zu seinen Freunden zieht und mit wem man befreundet sein möchte. Die gemeinsam verbrachten vielen Schultage spielen sicherlich eine Rolle. Aber mit 15 oder 16 Jahren versteht man sich dann eher mit Freunden, die die eigenen Interessen und Leidenschaften teilen. Da spielen die Kumpels, die BFF, die Clique, Klassenkamerad*innen und Mitschüler*innen eine entscheidende Rolle im Leben.

Zweifellos ist es jedoch schwieriger, im Erwachsenenalter neue Freunde und Freundinnen zu finden. Eine Studie [1] aus Finnland aus dem Jahr 2016 ergab, dass wir bis zum 25. Lebensjahr immer mehr neue Freund*innen gewinnen. Danach sinkt die Zahl rapide und nimmt im Laufe des Lebens allmählich ab. Daher ist keine Freunde mehr mit 30 oder keine Freunde mehr mit 40 zu haben gar keine Seltenheit. Das muss aber nicht so sein. Falls du also umgezogen bist, deine Freunde aus irgendeinem Grund verloren hast oder dich aufgrund unterschiedlicher Lebensstile von deinem sozialen Umfeld isoliert fühlst, was kannst du dagegen tun?

 

Was tun, wenn man keine Freunde mehr hat?

Das Leben bringt Veränderungen mit sich, das gilt auch für unsere Freundschaften. Es ist fast unmöglich, alle Freundschaften aus der Kindheit zu erhalten. Menschen entfernen sich voneinander, wenn sie sich nicht regelmäßig sehen oder Kontakt haben (selbst wenn man die Gabe hast, dort wieder anzusetzen, wo man das letzte mal stand).

Dieser Tage gibt es immer mehr wissenschaftliche Forschung über die schädliche Natur der Einsamkeit. Natürlich kann Einsamkeit Kinder ebenso wie Erwachsene treffen. Aber sicherlich betrifft dies Menschen, die einen Lebensstil führen, der es schwieriger macht andere Leute kennen zu lernen und Freundschaften zu schließen. Der Harvard University zufolge ist Einsamkeit ein ernstzunehmendes Thema. Es sollte ähnlich STDs [2] als ein öffentliches Gesundheitsproblem betrachtet werden. Keine Freund*innen haben kann tatsächlich sogar deine physische Gesundheit beeinflussen: eine Studie aus dem Jahr 2015 [3] fand heraus, dass stabile soziale Beziehungen die körperliche Gesundheit fördern. Menschen mit gesunden Beziehungen neigen weniger zu Fettleibigkeit und Bluthochdruck.

Untersuchungen der britischen Regierung ergaben, dass 200.000 Menschen im Land seit mehr als einem Monat mit niemandem ein bedeutungsvolles Gespräch geführt haben. In der Tat untersuchen die meisten Allgemeinmediziner*innen [4] jeden Tag mehrere Menschen, die mit Symptomen der Einsamkeit zu tun haben. Laut MIND kann Einsamkeit zu einer Verschlechterung der psychischen Gesundheit führen z.B. einer Depression. Eine schlechtere Gesundheit kann wiederum dazu führen, dass man sich isolierter fühlt [5].

Es lässt sich leicht ausmalen, dass dies zu einer Spirale der Einsamkeit führen kann. Wenn du aktive  Schritte dagegen unternimmst, ist es jedoch möglich, dem entgegenzuwirken. An dieser Stelle wird das Wissen darüber, wie man als Erwachsener neue Freunde und Freundinnen findet, zu einer sehr nützlichen Fähigkeit. Falls du also zu den Menschen gehörst, die sich jemals gedacht haben „ich habe keine Freunde“: Hier findest du einige Möglichkeiten, neue Leute in dein Leben zu holen um glücklicher zu werden.

 

Wie finde ich neue Freundschaften?

 

1. Stelle sicher, dass du offen für neue Freundschaften bist

Warum man keine Freunde findet kann viele Gründe haben. Wenn du glaubst keine Freunde mehr zu haben, solltest du dir zunächst überlegen, warum das so ist. Hältst du vielleicht unbeabsichtigt Abstand zu anderen Leuten und trittst distanziert auf? Bemühst du dich, mit Menschen in Kontakt zu bleiben? Lehnst du Einladungen ab, weil du in sozialen Situationen nervös wirst? Achtsam auf dein Verhalten zu schauen, kann ein guter Ausgangspunkt sein.

Es stimmt wohl, dass wir als Menschen jeden Tag Gelegenheiten, um Freundschaft zu schließen an uns vorbei ziehen lassen: Sei es, dass wir zu schüchtern sind, zu unbeholfen oder einfach nicht aufmerksam genug, um sie zu ergreifen. Versuche den Mut zu entwickeln, das zu ändern. Lerne mögliche Freundschaften zu erkennen und ihnen zu folgen. Beispielsweise kannst du deine Nachbarn*innen nächstes Mal einladen, anstatt wieder nur „hallo“ zu sagen. Oder ihr geht zusammen einen Kaffee trinken. Wirst du immer wieder von derselben Person in deine Supermarkt bedient? Unterhalte dich doch ein bisschen mit ihr – vielleicht habt ihr mehr gemeinsam, als du denkst. Du wirst überrascht sein, wie viele potenzielle Freunde und Freundinnen sich bereits in deiner Umlaufbahn befinden!

 

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Sitz nicht hinter dem Zaun! Komm hervor und plaudere mit deinem Nachbarn © shutterstock/Pressmaster

 

2. Trete mit deinen bestehenden sozialen Kontakten in Verbindung

Natürlich könntest du im Kampf gegen die Einsamkeit immer zum Telefon greifen und eine alte Freundin anrufen. Auch wenn du mit dieser seit einiger Zeit keinen Kontakt mehr hattest, seid ihr doch noch befreundet, wenn ihr auf eine gemeinsame Vergangenheit zurückblickt. Denn vielleicht sind die Personen einiger unserer ältesten Freundschaften möglicherweise in einer ähnlichen Position und wären zu gerne bereit, eine alte Freundschaft wieder in Gang zu bringen. Halte dich nicht von solchen alten Freunden fern und lehne nicht so viele Einladungen ab. Allerdings hilft dieser Rat noch nicht wirklich dabei, wie man als Erwachsener neue Freunde findet. Dafür muss du dich schon ein wenig der Welt da draußen aussetzen.

 

3. Verwende moderne Technologien: So machst du es richtig

Wenn du das Gefühl hast, keine Freunde zu haben, stehen dir zahlreiche Apps und Social Media-Plattformen zum Finden neuer Kontakte und Freundschaften zur Verfügung. Mit diesen ist es leicht, Kontakt zu anderen Personen herzustellen. Es ist jedoch nicht egal, was du verwendest und wie du diese Technologie einsetzt. Twitter, Facebook und Instagram sind vielleicht eine Möglichkeit für Leute, die sich selbst bewerben wollen und Details über die Einzelheiten ihres Lebens zu veröffentlichen. Aber es heißt, diese Apps isolieren [6] die Menschen noch weiter! Deshalb gibt es ein paar ganz andere Apps da draußen, die speziell dafür entwickelt wurden, neue Freundschaften zu fördern.

Die App Hey! Vina eignet sich gut für sozial isolierte Mütter, ebenso wie Peanut. Huggle ist eine weitere etablierte Social-Media-Plattform, die es Fremden ebenfalls ermöglicht, sich untereinander zu vernetzen. Du könntest auch die Plattform Facebook so nutzen, dass du ein soziales Ereignis erstellst, um deine Online-Bekannten für ein persönliches Treffen einzuladen. Dies ist auch ein guter Tipp, um alte Freunde und Freundinnen wieder zu treffen und neue zu finden.

 

 4. Engagiere dich freiwillig oder finde Freunde bei der Arbeit

Wenn du der Meinung bist, nicht viele Freunde zu haben, kannst du dich als Erwachsener am besten mehr mit den Leuten unterhalten, mit denen du zusammenarbeitest. Du wirst keine neuen Freundschaften schließen, wenn du am Ende deiner Arbeitszeit schnell verschwindest, oder nicht am Mittagessen im Team teilnimmst. Aber bei diesen Aktivitäten könntest du andere Leute finden, mit denen du dich wirklich gut verstehst.

Nimm dir die Zeit, mit deinen Kolleg*innen in Kontakt zu treten und dich auf Firmenveranstaltungen einzulassen. Auch wenn es nur ein paar Drinks nach der Arbeit sind! Solltest du gerade nicht Arbeiten, könntest du Freunde und Freundinnen bei einem freiwilligen Engagement finden. Freiwilligenarbeit hat in der Tat viele Vorteile und deine Arbeit mit anderen Menschen kommt in gewisser Weise auch der Gesellschaft zugute.

 

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Engagiere dich und finde als Erwachsene*r neue Freund*innen © shutterstock/Syda Productions

 

5. Tritt Gruppen bei

Erwachsene denken oft, dass es in der Kindheit einfach war neue Freunde zu finden und nun viel schwieriger ist. Dies hält sie jedoch davon ab, es überhaupt zu versuchen. Denn tatsächlich war es oft nur die gemeinsame Erfahrung der Schule, die diese Freundschaften entstehen ließ.

Wenn du einer Gruppe oder einem Verein beitrittst, wirst du eine ähnliche Erfahrung machen, in der Freundschaften auf natürliche Weise geschlossen werden können. Entscheidend ist, dass es im Grunde unwichtig ist, was diese Gruppe tut oder wozu sie dient. Lesekreise, Sportvereine, Diskussionsgruppen, Aktivist*innen, Holzhandwerker*innen und informelle Netzwerke für Väter und Mütter sind alle gleichermaßen nützlich. Wähle einfach etwas aus, wofür du eine Leidenschaft hast, oder was du ausprobieren möchtest. Laut Psych Central ist es unglaublich hilfreich, andere Menschen zu finden, die ähnlich ticken [7], um die Einsamkeit abzuwehren. Du kannst diesen Tipp jederzeit mit dem vorherigen kombinieren und moderne Technologien verwenden.  MeetUp ist eine hervorragendes Online-Angebot, um Vereine und Gruppen in deiner Nähe zu finden. 

Neben den neuen Bekanntschaften wirkt sich der Altruismus z.B. durch ein ehrenamtliches Engagement zusätzlich positiv auf das eigene Glück aus.

 

6. Geh mit einem vierbeinigen Freund spazieren

Laut der British Heart Foundation ist ein Spaziergang mit Hund nicht nur gut für die Durchblutung. Ein Spaziergang mit Haustier setzt außerdem Endorphine frei, unterstützt bei der Stressbewältigung und kann dabei helfen, neue Freunde zu finden [8]. Es ist auch nicht nötig, einen eigenen Hund zu besitzen. Du kannst dir ein Haustier von einem Familienmitglied oder deinen Nachbar*innen ausleihen. Vielleicht ist es ein guter Anfang, deine Hilfe anzubieten, wenn die eigentlichen Besitzer*innen des Hundes Urlaub machen.

Wenn du mit einem Vierbeiner unterwegs bist, ist es viel wahrscheinlicher, mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen. Insbesondere mit anderen Hundebesitzer*innen, die ebenfalls einen Spaziergang machen. Versuche eine Routine zu entwickeln, um regelmäßig auf die gleichen Leute zu treffen. Wenn du möchtest, kannst du auch noch einen Schritt weiter gehen und dich einer Hundegruppe anschließen, oder eine eigene Gruppe gründen!

Es kann natürlich sein, dass du dich nicht für lange Zeit an ein Haustier binden möchtest oder das du dich unwohl fühlst, deine Nachbar*innen zu fragen. In diesem Fall könntest du dich bei Rover anmelden. Auf dieser Webseite finden Haustierhalter*innen und Menschen, die sich täglich oder wöchentlich um Tiere kümmern möchten, zueinander. Ein weiterer Vorteil ist, dass du dafür sogar bezahlt werden kannst.

 

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Pfotenfreunde: Ein Vierbeiner ist ein echter Türöffner in Sachen Kontakt

 

Neue Freunde finden als Erwachsene: Zusammenfassung

Es gibt viele Möglichkeiten, neue Freundschaften zu schließen, egal wie alt man ist. Es ist aber nie einfach, ganz neue Freunde zu finden, besonders wenn du eher ein schüchterner Mensch bist. Die Mühe lohnt sich aber auf jeden Fall! Freundschaften, die im Erwachsenenalter geschlossen wurden, lohnen sich in vielerlei Hinsicht. Sie sind gut für die mentale Gesundheit und die bloße Anwesenheit und Gesellschaft von Freunden macht glücklich.

Wenn du also jemals dachtest, „ich habe keine Freunde mehr“, denk daran: Dinge können sich ändern, aber es liegt an dir, dies zu tun. Außerdem ist es wichtig, neu gewonnene Freundschaften zu pflegen. Schreibe oder telefoniere mit deinen Freundinnen und Freunden und schlage vor, dass ihr euch bald wiedersehen könnt. ●

Titelbild: shutterstock/rawpixel.com

 

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Quellen:

  • [1] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4852646/
  • [2] http://sitn.hms.harvard.edu/flash/2018/loneliness-an-epidemic/
  • [3] https://www.livescience.com/53255-strong-social-connections-may-improve-health.html
  • [4] https://www.ageuk.org.uk/latest-news/articles/2018/october/government-loneliness-strategy/
  • [5] https://www.mind.org.uk/information-support/tips-for-everyday-living/loneliness/#.XPeTNo97mUk
  • [6] https://www.psychologytoday.com/gb/blog/modern-mentality/201810/is-social-media-making-you-lonely
  • [7] https://psychcentral.com/blog/10-more-ideas-to-help-with-loneliness/
  • [8] https://www.bhf.org.uk/informationsupport/heart-matters-magazine/wellbeing/dealing-with-loneliness

 

Geschrieben von Ed Gould

ed-gould.jpgEd Gould ist ein britischer, NCTJ qualifizierter Journalist. Er hat ein breit gefächertes Spektrum an Interessen von Psychologie, Philosophie und Wissenschaft bis hin zu Reiki. Zusätzlich hat er ein Bachelors Degree in Geschichte von der University of Warwick


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Nika

Geschrieben

Das Gefühl, keine Freunde zu haben kenne ich so eigentlich nicht, sondern eher, dass ich Zeiten hatte, in denen ich kaum jemanden an mich heran gelassen habe. Weil es mir nicht gut ging.
Also war bei mir eher eine depressive Phase der Grund dafür, keine Freunde zu haben bzw Freundschaft zu pflegen. Und nicht umgekehrt - wie im Artikel beschrieben - dass das Gefühl, keine Freunde mehr zu haben eine Depression auslöst.

Wohl eine klassische Huhn/Ei-Frage...

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