Falls du den Spruch „Geld macht nicht glücklich“ schon einmal gehört hast, hast du dich vielleicht auch schon mal gefragt, ob das stimmt. Schließlich ist ein Großteil des Elends, das in der Welt vorkommt, ein Resultat fehlender finanzieller Mittel.
 

Studien deuten darauf hin, dass an dieser Aussage durchaus etwas dran sein kann und du kein Geld brauchst, um in deinem Leben glücklich zu sein. Bruce Headey befasst sich in seinem Artikel „Lebensziele, die zum Glücklichsein führen“, mit dem Problem des subjektiven Wohlbefindens oder, kurz gesagt, mit SWB. Er untersucht die Einflüsse des Geldes auf materialistische und nicht-materialistische Lebensziele. Headey fand heraus, dass Menschen mit nicht-materialistischen Lebenszielen von größerer Zufriedenheit in ihrem Leben berichten, als Menschen, die eher materialistische Ziele verfolgen.

 

Die Sollwert-Theorie

Viele Studien, die sich mit diesen Fragen befassen, verwenden als Grundlage ihres Ansatzes ein Konzept, das als Sollwert-Theorie bezeichnet wird.

Die Sollwert-Theorie besagt, dass es schwierig, wenn nicht gar unmöglich ist, dein Level an Glück zu verändern. Sie behauptet, deine Fähigkeit, glücklich zu sein, ist von Beginn an festgelegt. Diese Theorie wird aber zunehmend in Frage gestellt und untersucht.

Dafür betrachten Forscher die Auswirkungen von negativen Lebensereignissen im Leben eines Menschen. Es gibt verschiedene Faktoren, die die Fähigkeit eines Menschen, Glück zu empfinden, beeinflussen können. Mit Therapien, Behandlungen oder Änderungen des Lebensstils ist es möglich, an diesen Situationen aus der Vergangenheit zu arbeiten. Ein weiterer Punkt, über den man nachdenken sollte, wenn man diese Theorie hinterfragt.

 

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Ein weiterer Grund, warum diese Theorie hinterfragt werden sollte, ist, dass angenommen wird, Menschen seien nicht in der Lage, ihr Glück deutlich zu verbessern - ein sehr negativer Standpunkt. Als letzte Überlegung denken wir an die Kraft unserer Gedanken und daran, dass sie mit konzentrierter Anstrengung einiges überwinden können. Es lohnt sich also, einen zweiten Blick darauf zu werfen, ob diese Theorie anwendbar ist.

 

Mit der Zeit zu mehr Zufriedenheit

Eine aktuelle, langjährige deutsche Studie untersucht das SWB und wie "Nullsummen-Ziele" als auch "Nicht-Nullsummen-Ziele" das Glück beeinflussen. Nullsummen-Ziele sind Lebensziele, die sich auf Status oder Reichtum beziehen. Nicht-Nullsummen-Ziele bedeuten nicht-materialistische Lebensziele, die das Familienleben oder altruistische Aktivitäten betreffen.

 



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Große Blase: Status und Shopping machen nicht glücklich
 


Die langjährige Studie begann 1984. Durch diese lange Zeitspanne konnten sich die Forscher ein umfassendes Bild davon machen, wie sich das Level der Zufriedenheit der Befragten über einen großen Zeitraum hinweg verändert hat. Die Veränderungen, die sich in der Langzeitstudie zeigten, hatten eine große Aussagekraft, mehr als jede andere Studie zu diesem Thema.

 

Glück kann man nicht kaufen

Die Studie kam zu dem Schluss, dass Menschen, die mehr Wert auf Nicht-Nullsummen-Ziele, wie Familienleben legten, eine größere Zufriedenheit in ihrem Leben empfanden, als Menschen, die eher materialistische Nullsummen-Ziele anstrebten. Tatsächlich schien das Streben nach Geld und Status die Glücksgefühle sogar aktiv zu schädigen. Eine Erkenntnis, die nicht unbedingt überrascht.

Schließlich ist es wahrscheinlich, dass das Familienleben daran leidet, wenn die Energie in berufliche und finanzielle Ziele gesteckt wird. Doch warum gibt es diese Trennung zwischen den beiden Lebenszielen überhaupt? Warum liegt der Fokus so oft auf dem materiellem Gewinn, wenn es der Person letztlich schädigt? Der Grund ist ganz einfach: Man kann nicht alles haben.

 

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Warum dir materialistische Lebensziele schaden

Die Frage lautet also: Warum werden die Leute durch weniger oder nicht-materialistische Ziele glücklicher, als wenn sie sich auf die materiellen Ziele konzentrieren? Eine wahrscheinliche Erklärung dafür ist die Angst, den eigenen Status zu verlieren. Das bedeutet, wenn du einmal einen höheren Status erreicht hast, reicht er dir schon nicht mehr aus. Stattdessen fühlst du dich dazu bemüßigt, deine Möglichkeiten auszuleben, deinen Lebensziel zu zeigen und in der Tat einen noch höheren zu erreichen.



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Materielle Ziele haben eine Spirale aus höheren Zielen, mehr Arbeit und Stress und weniger Beziehungen zur Folge
 

 

Wenn du also befördert wirst und eine Gehaltserhöhung bekommst, musst du dieses Geld für ein teureres Auto ausgeben. Du musst in ein besseres Wohnviertel ziehen. Und im Umkehrschluss musst du viel arbeiten, um das alles zu bezahlen und das Level halten zu können. Du wirst anfangen, dich mit Menschen aus einem höheren Einkommenslevel anzufreunden. Was wiederum dazu führt, dass du deinen Lebensstil dem ihren anpasst. Unabhängig davon, ob dein Einkommen dafür ausreicht oder nicht. Und wenn dein Stresslevel steigt, merkst du, dass du deinen gut bezahlten Job nicht aufgeben kannst, denn das hätte Folgen für deinen Lebensstandard. Hast du einmal einen spürbar höheren Lebensstandard erreicht, ist es extrem schwer, ihn wieder loszulassen. Das ist der Effekt der Aufwärtsspirale.  

Auf der anderen Seite sind nicht-materielle Lebensziele ein Vorteil für dich selbst und für andere. Wir fühlen tiefe Zufriedenheit, wenn wir uns ohne finanzielle Gegenleistung ehrenamtlich engagieren. Darin sehen wir, dass es von Bedeutung ist, anderen zu helfen. Und dass Dinge von Bedeutung zufrieden machen. Diese Großzügigkeit fühlt sich an, als könnten wir einen Unterschied machen. Ein harmonisches Familienleben hat ohne Zweifel einen positiven Effekt auf unser Wohlbefinden. Dazu gehört auch, dass wir unsere Freizeit in einer angenehmen Umgebung und mit Menschen verbringen, mit denen wir uns wohlfühlen. Wir entscheiden uns dafür, Familie und gute Freunde zu haben. Und im Gegensatz zu den Menschen, mit denen wir unsere Arbeitszeit verbringen, sollten wir mit Familie und Freunde die Zeit gerne verbringen wollen.

 

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Zeit mit der Familie ist ein Schlüssel zum Glück
 

 

Schlussfolgerungen für nicht-materielle Lebensziele

Es ist nicht per se schlecht, sich Ziele zu stecken, denn das kann uns ja auch motivieren. Aber die Ziele sollten auf gesunde und produktive Art und Weise gesetzt werden. Als Folgerung daraus können wir darauf achten, dass das Streben nach materialistischen Zielen nicht auf Kosten des Familienlebens und nicht-materialistischen Ziele geht. Die vernünftige Lösung besteht also darin, ein Gleichgewicht zwischen den finanziellen Sicherheitsbedürfnissen und denen deiner Familie zu schaffen und dich um dein „Innerstes“ zu kümmern. Diese Balance zwischen den drei Bedürfnissen erfordert Ehrgeiz und Motivation. Das Ergebnis ist diese Mühen wert.
 

Tiefe Beziehungen sind die Basis eines glücklichen Lebens.

 

Ein gewisses Maß an finanzieller Sicherheit ist unerlässlich. Jeder, der sich Sorgen darüber machen muss, wie er seine Rechnungen bezahlen soll, ist garantiert gestresst. Aber materialistische Ziele sollten das Leben nicht beherrschen. Dadurch wird nur die oben erwähnte Aufwärtsspirale in Gang gesetzt. Stattdessen kannst du viel gewinnen, wenn du einen Großteil deiner Zeit deiner Familie, deinen Freunde (auch Freunde aus der Arbeit) und der Gemeinschaft widmest. Denn mit ihnen gibt es wichtige und tiefe Verbindungen und Beziehungen in deinem Leben, was laut einer Harvard-Studie der Schlüssel zu einem glücklichen Leben ist. Das Gleichgewicht zwischen materiellen Lebenszielen und nicht-materialistischen Lebenszielen ist dabei für die Entstehung und die Erhaltung von Glück in deinem Leben essenziell.  

Titelbild: Colorbox.com

 

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Geschrieben von Gastautor

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