Jump to content
Veronika

Minimalistische Lebensweise als Weg zum Glück - welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht?

Empfohlener Beitrag

Veronika
Geschrieben

Ein einfaches Leben führen - ich habe den Eindruck, immer mehr Menschen wählen den Weg von "weniger ist mehr". Nicht, weil sie es sich nicht leisten können, sondern weil sie der Überzeugung sind, ein einfacheres Leben mache sie glücklicher.

 

Einfaches Leben und Minimalismus ist nicht das selbe. Während das zweite hauptsächlich darauf abzielt, Besitztümer abzubauen oder aufzugeben, beinhaltet ein einfaches Leben oftmals mehr Elemente. Wenn du dich für Vereinfachung entscheidest, entsteht ein Leben voller Bedeutung, ein Leben, das nach deinen eigenen Vorstellungen geführt wird. Es hilft, Zeit und Raum zu schaffen, um deine wahren Interessen und Leidenschaften zu verfolgen.


Aber es ist nicht so leicht, einfach zu leben. Ein einfaches Leben steht im Widerspruch zu den gemeinsamen Werten der westlichen Welt, mit denen die meisten von uns aufgewachsen sind. Ein einfaches Leben zu führen, bedeutet, das Unwesentliche wegzulassen, um deine Zeit und Energie auf die Dinge zu konzentrieren, die dir am wichtigsten sind.

 

 

Welche Erfahrungen habt ihr mit einer einfachen Lebensweise gemacht? Fandet ihr es schwierig? Was geschahen mit den Dingen, die ihr aussortiert habt? Haben sich eure Freundschaften, euer soziales Umfeld dadurch verändert?

 

 

national simplicity day.png

Veronika
Geschrieben

Was ich auch wirklich interessant finde, wie die Amish einfach leben. Ich habe ein Buch über den amischen Lebensstil gelesen und ich mochte Teile davon sehr. Ich meine, es ist ziemlich krass, dass sie keinen Strom verbrauchen, aber zum Beispiel kaufen sie etwas nur, wenn sie es wirklich brauchen, und dann ist es eine Qualität, die für so ziemlich alles Bestand hat.
Es gibt ein Geschäft, in dem die Amish einkaufen, es heißt "Lehmans" und die Dinge dort werden auf eine Weise hergestellt, dass sie sehr langlebig sind. und das gefällt mir sehr, denn wenn man eine elektrische küchenmaschine oder einen mixer oder so etwas kauft, geht man einfach davon aus, dass sie nach drei jahren kaputt sein wird, und dann kauft man einen neuen.
Das ist aber nicht normal! Das sollte nicht so sein, es ist nicht umweltfreundlich, es kostet Geld, es ist nicht verbraucherfreundlich!
Ich mochte diese Erinnerung, dass wir nur das wirklich kaufen sollten, was wir brauchen, und es dann so kaufen sollten, dass es lange hält!

Tine
Geschrieben

Spannend finde ich deine Unterscheidung zwischen Minimalismus und einem einfachen Leben. Aus meiner Sicht ist Minimalismus gerade sehr "in", Marie Kondo hat ne eigene Show auf Netflix zum Thema. Aus meiner Sicht ist das aber nur ein weitere Weg den Konsum anzukurbeln und sich als wohlhabend darzustellen. 10 Messer werden weg geworfen und mit einem teuren Messer ersetzt. Das ist im Resultat bestimmt schrecklich schick, aber auch so garnicht nachhaltig und eben trotzdem extremer Konsum im Mäntelchen des Stils und der Bescheidenheit.

Mein Erfahrung mit dem einfachen Leben ist, dass ich vermeindlich mehr "Müll" rumliegen habe. Die Toilettenpapierrollen werden gesammelt für Setzlinge im Frühling, die Blechdose des Weichkäse wird beklebt und als Vorratsdose wieder verwendet, neben der Nähmaschine liegt ein Stapel mit Kleidung die einfach mal geflickt werden muss, Küchenabfälle werden für den Kompost gesammelt usw. Im Vergleich zu der hippen, klaren, sauberen, aufgeräumten Welt des Minimalismus ist mein gelebtes einfaches Leben abgenutzt, geflickt, improvisiert, organisch, nenn es gerne auch ein bisschen schäbig und vorallem voll von Möglichkeiten. Das Motto ist "Das ist doch noch gut oder da kann man was draus machen." Das eröffnet eine Welt in der Konsum nicht gleichbedeutend mit Müll produzieren ist und vorallem schafft es Gemeinschaft. Da fragt man erstmal nach ner Nähmaschine die man leihen kann, man hilft sich gegenseitig aus und das ist dann zusätzlich gut - nicht nur für die Umwelt, die Zukunft sondern auch jetzt in diesem Moment für die Seele.

Veronika
Geschrieben

Das gleiche Problem habe ich mit der Öko-Bewegung. Da wird, wie du schreibst, fünf Produkte weggeworfen oder haben ausgedient, nur um ein "Öko"-Produkt dafür ins Haus zu holen. Das ist nicht Sinn der Sache finde ich, verkauft sich aber bei den Followern besser. Da will niemand einen alten Eastpack Rucksack sehen, da muss schon ein Fjäll Raven her. Das ist scheinheilig, meiner Meinung nach.

 

Und ja Nähmaschine ist ein guter Hinweis - lieber mal leihen, als kaufen, was man im Jahr vielleicht drei Mal braucht... (Waffeleisen, spezielles Werkzeug, Fensterwischer, Rasenmäher, etc.)

Bjoern
Geschrieben

Also, bei uns ging es die letzten Jahre immer sehr darum Kram aus der Wohnung zu schaffen. Gar nicht so einfach mit Kindern, gerade da sammeln sich so viele unnütze Sachen an, das es einem irgendwann gar nicht mehr auffällt.
Wir machen nun regelmässiges Entrümpeln mit den Kindern zusammen und erst anschliessend merkt man, wie erleichternd das ganze ist. Ein Raum, der immer zugestellt war mit Spielzeug, das nie angefasst wird, ist inzwischen einfach ein leeres Zimmer, wo immer nach Bedarf Spielzeug ausgebreitet wird. Aber das Gefühl in einem nahezu leeren Raum zu sein, ist sensationell gut! Vor allem wenn man eigentlich nicht so viel Platz hat.
Also, auch wenn das ein zäher Prozess ist und ich echt noch viel Luft nach oben habe, was das entsorgen von Kleidern, Spielzeug, etwaigen Geräten betrifft, ist es doch so das es extrem hilft sich zu entspannen, wenn man das mal erlebt hat. Wir lernen hier noch, haben aber verstanden das es uns sehr gut tut

Yvonne
Geschrieben

Die Definition von  einfachen Leben scheint sehr subjektiv zu sein. Ich musste in den letzten Jahren richtig viel dazu lernen. Aufgewachsen bin ich damals in der DDR, wo es nur begrenzt Güter gab. zu Kaufen gab es nicht viel und alles musste aufgehoben werden (hatte aber auch ewig gehalten oder wurde wenn wieder repariert). Damals hatten wir auch Pappe und Glas gesammelt um es zu recyclen. Plastik war kein Thema. Für das sogenannte SERO Sammeln gabs sogar Taschengeld. Aus heutiger Sicht würde ich es als einfaches Leben bezeichnen. Mit der Wende und in den Eintritt der Konsumwelt hat sich das Leben grundauf geändert. Da ging es nur noch darum zu kaufen, zu besitzen, die neuesten Sachen zu haben und wenn man etwas nicht mehr brauchte wurde es ausgetauscht durch etwas neues. Das war die "schöne neue Welt", von der wir geträumt hatten. Seit einigen Jahren hat sich meine Einstellung zu dieser Konsumwelt aber glücklicherweise geändert und ich konsumiere viel bewusster. Trotzdem fällt es mir nicht immer einfach. Wie von @Vero beschrieben, werd ich doch schonmal von Öko Produkten gelockt, die mir vorgaukelt, etwas besseres für die Welt zu tun. Irgendwie schleicht sich doch viel zu oft im Unterbewusstsein eine Stimme ein, die mir sagt warum ich oder meine Kinder irgendwas unbedingt brauchen. Aber das ist mal eine gute Übung diese Stimme allzuernst zu nehmen. Auch fällt es mir gelegentlich schwer aufs reisen zu verzichten oder auch digitale Güter zu konsumieren. Beim Kauf von Dingen haben wir zu Hause 3 Regeln: 1) wenn der Wunsch besteht sich etwas neues anschaffen zu müssen (egal ob ein T-shirt oder Teller), muss klar sein, dass dafür etwas altes aussortiert werden muss (nicht immer einfach). 2) Bevor man eine Anschaffung tätigt, ersteinmal reflektieren, ob man es wirklich braucht und ob es nicht Alternativen gibt (z.b. Second Hand). 3) Vor dem Kauf am besten erstmal einen Tag warten. Käufe müssen geplant sein. Keine Impulskäufe.

 

Veronika
Geschrieben
Am 7/12/2019 at 12:12 PM, schrieb Bjoern:

Also, bei uns ging es die letzten Jahre immer sehr darum Kram aus der Wohnung zu schaffen. Gar nicht so einfach mit Kindern, gerade da sammeln sich so viele unnütze Sachen an, das es einem irgendwann gar nicht mehr auffällt.
Wir machen nun regelmässiges Entrümpeln mit den Kindern zusammen und erst anschliessend merkt man, wie erleichternd das ganze ist. Ein Raum, der immer zugestellt war mit Spielzeug, das nie angefasst wird, ist inzwischen einfach ein leeres Zimmer, wo immer nach Bedarf Spielzeug ausgebreitet wird. Aber das Gefühl in einem nahezu leeren Raum zu sein, ist sensationell gut! Vor allem wenn man eigentlich nicht so viel Platz hat.
Also, auch wenn das ein zäher Prozess ist und ich echt noch viel Luft nach oben habe, was das entsorgen von Kleidern, Spielzeug, etwaigen Geräten betrifft, ist es doch so das es extrem hilft sich zu entspannen, wenn man das mal erlebt hat. Wir lernen hier noch, haben aber verstanden das es uns sehr gut tut

Ein fast leerer Raum erscheint wirklich wie Luxus ... Der erste Gedanke ist, dass man dafür ein riesen Haus braucht. Der zweite Gedanke ist dann, dass man einfach wenig Zeug haben muss, dann geht das auch :)

vor 14 Stunden, schrieb Yvonne:

Die Definition von  einfachen Leben scheint sehr subjektiv zu sein. Ich musste in den letzten Jahren richtig viel dazu lernen. Aufgewachsen bin ich damals in der DDR, wo es nur begrenzt Güter gab. zu Kaufen gab es nicht viel und alles musste aufgehoben werden (hatte aber auch ewig gehalten). Damals hattn wir auch schon Pappe und Glas gesammelt um es zu recyclen. Dafür gab es Taschengeld, mit dem man aber auch nicht so viel machen konnte. Aus heutiger Sicht würde ich es als einfaches Leben bezeichnen. Mit der Wende und in den Eintritt der Konsumwelt hat sich das Leben grundauf geändert. Da ging es nur noch darum zu kaufen, zu besitzen, die neuesten Sachen zu haben und wenn man etwas nicht mehr brauchte wurde es ausgetauscht durch etwas neues. Das war die "schöne neue Welt", von der wir geträumt hatten. Seit einigen Jahren hat sich die Einstellung zu dieser Konsumwelt aber glücklicherweise geändert und ich konsumiere viel bewusster. Trotzdem fällt es mir nicht immer einfach. Wie von @Vero beschrieben, werd ich doch schonmal von Öko Produkten gelockt, die mir vorgaukelt, etwas besseres für die Welt zu tun. Irgendwie schleicht sich doch viel zu oft im Unterbewusstsein eine Stimme ein, die mir sagt warum ich oder meine Kinder irgendwas unbedingt brauchen. Aber das ist mal eine gute Übung diese Stimme allzuernst zu nehmen. Auch fällt es mir gelegentlich schwer aufs reisen zu verzichten oder auch digitale Güter zu konsumieren. Beim Kauf von Dingen haben wir zu Hause 3 Regeln: 1) wenn der Wunsch besteht sich etwas neues anschaffen zu müssen (egal ob ein T-shirt oder Teller), muss klar sein, dass dafür etwas altes aussortiert werden muss (nicht immer einfach). 2) Bevor man eine Anschaffung tätigt, ersteinmal reflektieren, ob man es wirklich braucht und ob es nicht Alternativen gibt (z.b. Second Hand). 3) Vor dem Kauf am besten erstmal einen Tag warten. Käufe müssen geplant sein. Keine Impulskäufe.

 

Danke für deine Geschichte, Yvonne, das ist eine nachvollziehbare Entwicklung.

Impulskäufe sind schwierig... ich finde es mit dem Internet auch sehr schwer. Im Laden bin ich deutlich weniger dazu verleitet, etwas zu kaufen, als im Internet einfach nur auf den Knopf zu drücken. Mit dem Geldbeutel in der Hand an der realen Kasse hat Geld irgendwie einen anderen Wert...


×
×
  • Neu erstellen...