Gartenarbeit hat eine Vielzahl von Vorteilen für die mentale Gesundheit, schreibt Dee Marques. Sie reduziert Stress, Isolation und Depression und stärkt außerdem dein Immunsystem. Hier findest du sieben wissenschaftlich fundierte Gründe, warum du dich im Garten beschäftigen solltest.

Der Artikel erschien im Original im englischen happiness Magazin

 

Wenn es darum geht, die eigene geistige Gesundheit zu stärken und Glück zu finden, sollte man ein kreatives Hobby aufnehmen, meditieren, sich körperlich betätigen und feste Beziehungen zu anderen aufbauen. Aber wusstest du, dass Gartenarbeit ebenfalls eine wichtige Rolle auf dem Weg zum Glück spielen kann?

Das könnte erklären, warum in Großbritannien Gartenarbeit ein nationaler Zeitvertreib zu sein scheint. Laut einer kürzlich durchgeführten Umfrage glauben 80 Prozent der Briten, dass Gartenarbeit sich positiv auf ihre psychische Gesundheit auswirkt und die Vorteile größer sind, als in einem Fitnessstudio trainieren zu gehen.

Die Umfrageteilnehmer gaben an, dass ihnen die Gartenarbeit ein stärkeres Erfolgserlebnis gibt als Aufgaben wie Aufräumen oder Hausputz machen. Eine im British Journal of Sports Medicine veröffentlichte Studie ergab außerdem, dass sich nur 10 Minuten Gartenarbeit pro Woche positiv auf die Gesundheit auswirken und das Risiko einer Herzerkrankung verringert wird.


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Riecht das gut! Gartenarbeit hat Vorteile auf unsere mentale Gesundheit shutterstock/Dean Drobot


Wenn wir uns diese Studien ansehen, fällt auf, dass wir keine endlosen Stunden im Garten verbringen müssen, um die Vorteile der Gartenarbeit für unsere geistige Gesundheit zu genießen. Wir müssen sogar überhaupt keinen Garten besitzen. Das liegt daran, dass die Gartenarbeit für jedermann erreichbar ist und du unabhängig von räumlichen oder zeitlichen Einschränkungen loslegen kannst. Es reicht beispielsweise schon aus, sich eine Blumentopf auf den Fenstersims zu stellen und dort Kräuter anzubauen. Aber zuerst werfen wir einen kurzen Blick darauf, woher das Konzept der Gartenarbeit für die psychische Gesundheit stammt.

 

 

Die heilende Kraft der Gartenarbeit in der Geschichte

Die Verbindung zwischen Mensch, Natur und geistigem Wohlbefinden ist in der Geschichte verwurzelt und reicht bis in das alte Ägypten zurück. In der Zeit wurde Königen nahe gelegt, einen Spaziergang in ihren Gärten zu unternehmen, wenn sie geistig nicht zur Ruhe kamen. Schließlich wurde der Gartenbau im 18. und 19. Jahrhundert als klinische Therapie getestet.

 

 


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Etwa zur gleichen Zeit glaubte Benjamin Rush, einer der Begründer der modernen Psychologie, dass das Hand anlegen im Garten (und sich diese Hände schmutzig machen), eine heilende Wirkung auf seine Patienten hatte. Einige Jahrzehnte später wurden Gewächshäuser und Gärten zu Rehabilitationseinheiten von Krankenhäusern hinzugefügt, die Veteranen aus dem Ersten Weltkrieg behandelten.

 

 

"Laut einer kürzlich durchgeführten Umfrage glauben 80 Prozent der Briten, dass Gartenarbeit sich positiv auf ihre psychische Gesundheit auswirkt."


 

Machen wir einen Sprung in die Gegenwart und das Konzept des therapeutischen Gartenbaus wird auf der ganzen Welt praktiziert. Von Italien bis Singapur gibt es zertifizierte gartenbauliche Therapiegärten, die Menschen jeden Alters und jeder Lebenslage die Vorteile der Gartenarbeit für die psychische Gesundheit bieten.

 

Dieses erneute Interesse an der Gartenarbeit ist auch eine Folge der sich wandelnden Bevölkerungsstruktur: In vielen Ländern der westlichen Welt wächst die Zahl älterer Menschen weiter. Viele haben festgestellt, dass Gartenarbeit eine Möglichkeit darstellt, diesem wachsenden Teil der Bevölkerung Unterstützung zu bieten.

Das klingt alles sehr ermutigend, aber wie genau kann Gartenarbeit ein Gefühl von Glück und Wohlbefinden erzeugen?

 

 

Sieben Vorteile des Gärtnerns für die geistige Gesundheit

Es ist eindeutig, dass Gartenarbeit zum Erhalt der geistigen Gesundheit mehr als ein vorübergehender Trend ist. Sich mit Pflanzen zu beschäftigen ist wie ein Ventil für den Druck und den Stress des Alltags. Es gibt jedoch noch andere wichtige Vorteile, die du nicht verpassen möchtest. Hier sind sieben Möglichkeiten, wie Garten- und Gartenbautherapie helfen kann, wenn du dich einsam, kraftlos, unmotiviert oder ängstlich fühlst.

 

 

1. Entspannung

Einer der Hauptvorteile der Gartenarbeit für die psychische Gesundheit ist die Fähigkeit, Stress abzubauen. Diesen entspannenden Effekt sahen die Forscher bei der Untersuchung des Waldbadens, dem japanischen Konzept des Gehens in Waldgebieten, ähnlich der deutschen Kneipp-Therapie.
 

Gartenarbeit ist auch eine willkommene Abwechslung zu unserem zunehmend technisierten Leben. In einer Studie ergaben sich signifikante Stimmungsunterschiede, wenn die Antworten der Teilnehmer bei zwei verschiedenen Aufgaben verglichen wurden: Arbeiten am Computer und Umtopfen von Pflanzen. Während des Umtopfens waren die Stressbelastungen geringer als vor dem Computer. Die Forscher stellten auch fest, dass die Teilnehmer beim Umpflanzen einen niedrigeren Blutdruck hatten, was darauf hindeutet, dass es eine physikalische Grundlage für den stressabbauenden Effekt der Gartenarbeit gibt.


Untersuchungen des niederländischen Universitätsklinikums Vrije haben außerdem gezeigt, dass der bloße Blick auf eine grüne Landschaft zu Entspannung führt. Ganz im Gegensatz zu den ständigen Anforderungen an unsere Aufmerksamkeit bei der Betrachtung von Stadtlandschaften. "Kurze Betrachtungszeiten von grünen Bildern können Menschen dabei helfen, sich von Stress zu erholen", sagte van den Berg gegenüber der New York Times.

 

 

2. Erdung und Verbundenheitsgefühl

Gartenarbeit fördert das Gefühl der Erdung, da sie uns hilft, uns als Menschen wieder mehr verwurzelt zu fühlen. Menschen, die sich mit Gartenarbeit beschäftigen, spüren oft ein tieferes Zugehörigkeitsgefühl und einen tieferen Bezug zur Natur. Und dies ist keine Kleinigkeit: Denk einmal darüber nach, wie weit sich viele Menschen von so grundlegenden Dingen wie der Herkunft ihrer Lebensmittel entfernt haben.

Im Gegensatz dazu erdet dich der Garten in Bezug auf den Wert, den du den Lebensmitteln entgegenbringst, die du selbst geerntet hast. Selbst wenn du „nur“ Kräuter anbaust. Dieses Gefühl der Erdung gilt auch für den sozialen Bereich. Gartenarbeit kann dazu beitragen, die Verbindung zu anderen zu stärken, und bietet die Möglichkeit, Menschen mit den gleichen Interessen kennenzulernen. Warum als nicht einmal den nächstgelegenen städtischen Garten oder Kleingarten besuchen?

 

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Eine der positiven Effekte von Gartenarbeit ist weniger Isolation  shutterstock/Tania Kolinko

 

 

3. Im Moment leben

Durch Achtsamkeit im gegenwärtigen Moment zu bleiben, hat eine lange Liste von Vorteilen. Es reduziert zum Beispiel ständiges Grübeln und baut Stress ab. Gartenarbeit ist ein Weg, Achtsamkeit zu üben, da du dich auf das konzentrieren musst, was du in diesem Moment tust. Gleichzeitig kannst du dir die Zeit nehmen, die Schönheit um dich herum zu genießen. Tatsächlich zwingen uns alle Aufgaben im Zusammenhang mit dem Gartenbau (wie Graben, Beschneiden oder Jäten) dazu, uns auf die jeweilige Aufgabe zu konzentrieren. Auf diese Weise bleiben wir eher mit den Gedanken in der Gegenwart und legen unsere Sorgen beiseite, wenn auch nur vorübergehend.

 

 

4. Einen Sinn finden

Ein weiterer Vorteil der Gartenarbeit für die psychische Gesundheit ist, dass du ein Gefühl für den Sinn und Wert einer Sache bekommen kannst. Dies passiert, wenn du dich unmittelbar mit etwas praktischem beschäftigst und bei dem du das Endergebnis deiner Bemühungen sehen kannst. Es gibt dir ein Gefühl der Bestätigung, die Pflanzen, Kräuter und Blumen auszuwählen, die dich glücklich machen und es macht stolz, diese zu pflegen. Tatsächlich zeigen Studien, dass Gartenarbeit einen Anstieg von Wohlfühlhormonen wie Dopamin und Serotonin verursacht. Pflanzen beim wachsen zu helfen gibt uns eine Identität als Pfleger und Kümmerer.


 

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5. Risiko von Alzheimer und Demenz wird reduziert

Gartenarbeit steht im Zusammenhang mit einer besseren Gehirnfunktion und einer verbesserten Konzentration und Gedächtnisleistung. Einige Studien haben herausgefunden, dass sie sogar das Risiko für Alzheimer und Demenz senken kann. Eine Langzeitstudie aus Australien begleitete über 15 Jahre lang fast 3.000 ältere Erwachsene, verfolgte das Auftreten aller Arten von Demenz und bewertete eine Vielzahl von Lebensstilfaktoren. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass die tägliche Gartenarbeit die größte Risikominderung für Demenz darstellt und Demenzfälle um mehr als ein Drittel reduziert - um 36 Prozent.

 

“Menschen, die sich mit Gartenarbeit beschäftigen, spüren oft ein tieferes Zugehörigkeitsgefühl und einen tieferen Bezug zur Natur.”


Die Faktoren, die Alzheimer und sein Fortschreiten verursachen, sind kaum bekannt. Da Gartenarbeit jedoch so viele der kritischen Funktionen wie Lernen, Kraft, Ausdauer, Geschicklichkeit und Problemlösung umfasst, könnte es diese Kombination sein, die dabei hilft, die Krankheit bei älteren Erwachsenen abzuwehren.

 

 

6. Hilft dir, in Form zu bleiben

In der Tat erfordert Gartenarbeit viel körperlichen Einsatz und ist auch eine Form der Physiotherapie. Jäten, Graben, Säcke und Töpfe tragen sind allesamt gute Workouts, mit denen du in Form bleiben kannst. Laut dem SAGA Magazin kann bereits eine halbe Stunde dieser Gartenarbeit dazu beitragen, viele Kalorien zu verbrennen:

  • Graben und Schaufeln: 250 Kalorien
  • Rasen mähen: 195 Kalorien
  • Jäten: 105 Kalorien
  • Harken: 100 Kalorien

 

Darüber hinaus können regelmäßige Workouts zu besserem Schlaf beitragen, und erholsamer Schlaf ist ein weiterer Schlüssel für eine gute Gesundheit.

 

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Gartenarbeit gibt Sinn  shutterstock/Alexander Raths

 

 

7. Stärkt dein Immunsystem

Du kannst schon allein dadurch dein Immunsystem stärken, indem du einfach nur dem natürlichen Licht und damit Vitamin D ausgesetzt bist, während du im Freien im Garten arbeitest. Ein starkes Immunsystem hilft wiederum dabei, eine Resistenz gegen chronische Krankheiten aufzubauen. Interessanterweise wird auch vermutet, dass die Erde unter den Fingernägeln die Immunabwehr stärken kann! Das Mycobacterium vaccae, ein sogenanntes "freundliches" Bodenbakterium, kommt häufig im Gartenschmutz vor. Man konnte zeigen, dass dieses die Symptome von Allergien, Asthma und Psoriasis lindert, die alle von einem geschwächten Immunsystem herrühren können.

Tatsächlich konnte für das Mycobacterium vaccae auch gezeigt werden, dass es Depressionen lindert. Du musst dir aber nicht notwendigerweise die Hände schmutzig machen: es kann auch durch Einatmen oder über das Gemüse aus dem eigenen Garten aufgenommen werden.

 

 

Fazit: Gartenarbeit fördert mentale Gesundheit

Oben aufgeführt wurden nur einige der vielen Vorteile der Gartenarbeit für die psychische Gesundheit. Wir haben gesehen, dass Gartenarbeit ein natürliches Antidepressivum ist, das einen starken Effekt auf unseren Geist und Körper haben kann. Darüber hinaus ist Gartenarbeit eine sehr leicht zugängliche Aktivität, die nur geringe Investitionen erfordert: Wenn du einen Balkon, ein Fensterbrett oder auch nur Platz zum Aufhängen in deinem Haus hast, kannst du mit der Gartenarbeit beginnen und dein Glück und Wohlbefinden steigern. So einfach ist das!

 

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Main image: shutterstock/iko

 

Geschrieben von Dee Marques

 

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Absolventin der Sozialwissenschaften mit einem starken Interesse an Sprachen, Kommunikation und persönlichen Entwicklungsstrategien. Dee liebt es zu trainieren, draußen in der Natur zu sein und warme und sonnige Orte zu entdecken, an denen sie dem Winter entfliehen kann.

 

 


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